Con-T-Act
 
Newsletter 5/2003
Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch
Liebe KollegInnen und FreundInnen im deutsch-israelischen Jugendaustausch,

das Jahr 2003 nähert sich dem Ende und wir wollen kurz zurückblicken. Auch in diesem Jahr haben die politischen Rahmenbedingungen im Nahen Osten unser aller Aktivitäten im Jugendaustausch mit Israel beschränkt: Wo für das Frühjahr 2003 trotz schwer einschätzbarer Sicherheitslage viele Begegnungen geplant waren, mussten diese aufgrund des Krieges im Irak erneut verschoben werden. Doch im Sommer und Herbst wurden dann viele Begegnungen, darunter eine Reihe auch in Israel, möglich. Es sieht so aus, als hätten etwa zwei Drittel der für das Jahr 2003 beantragten Maßnahmen tatsächlich stattgefunden.
Wir wollen uns nicht einrichten in diesem Ausnahmezustand, der die Gegenseitigkeit von Begegnungen in Deutschland und Israel nun schon im dritten Jahr erschwert. Aber wir wollen alles daran setzen, auch weiterhin für die Kontinuität der Partnerschaften und der gemeinsamen Planungen zu wirken. Und wir wollen hoffen, dass das kommende Jahr die Perspektiven für ein friedlicheres Leben der Menschen in Israel und in der Region stärken wird.

Wir danken dem Bundesjugendministerium sowie den Sozialministerien Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern für die gute Kooperation und finanzielle Unterstützung unserer Arbeit.
Wir danken allen PartnerInnen und FreundInnen für die nette, konstruktive und bedeutungsvolle Zusammenarbeit in diesem Jahr und wünschen Ihnen und Euch eine leuchtende Weihnachtszeit und Chanukka Sameach!

 
Kurzer Rückblick – ConAct-Aktivitäten im Herbst 2003
New Con-T-Acts – Match-Making Seminar
(13. – 23. September 2003)
Schwer voraussehbar war der große Erfolg des erstmals von ConAct und dem Israel Youth Exchange Council durchgeführten Programms zum Aufbau neuer Partnerschaften für Jugend- und Fachkräfteprogramme: VertreterInnen von 18 Organisationen und Einrichtungen im Feld der Jugendarbeit kamen für 9 Tage in Deutschland und Israel zusammen, mit der festen Absicht, durch die im Vorfeld hergestellten Verbindungen - ‚Matches’ - gemeinsame Projekte für das kommende Jahr zu planen. Bei allen 9 neu begründeten Partnerschaften hat es ‚gefunkt’, so dass konkrete Planungen und Anträge für 18 neue Begegnungsprogramme im Jahr 2004 entstanden sind.
Vernetzung und Qualifizierung im Jugendaustausch im Raum Hessen
Die Zeit der schwierigen Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung des Jugend- und Fachkräfteaustausches mit Israel nutzen – dies war das Motto zweier Seminartage, zu denen die Hessische Landeszentrale für politische Bildung gemeinsam mit ConAct nach Frankfurt eingeladen hatte. Neben der Reflektion eigener Standpunkte und Zielsetzungen für die Begegnungsarbeit regten inhaltliche Impulse zum Thema ‚Jüdisch-arabisches Zusammenleben in Israel’ sowie zur ‚Spurensuche in der Dritten Generation in Deutschland’ zum Nachdenken an. Für das kommende Jahr ist ein bilaterales Zusammentreffen mit alten und neuen israelischen Partnerorganisationen geplant.
Begegnen – aber wie Erinnern? Gespräche und Begegnungen mit der Shoah-Überlebenden Orna Birnbach und ihrer Enkelin Atar Dekel
(19. – 26. Oktober 2003)
Auf Einladung von ConAct war Orna Birnbach aus Tel Aviv, Überlebende der Konzentrationslager Plaszow, Auschwitz und Bergen-Belsen, für eine Woche zu Gast in Berlin und Brandenburg. In 8 Jugendeinrichtungen und Schulen hat sie ihre ‘Über-Lebensgeschichte’ erzählt und ist mit Jugendlichen unterschiedlichen Alters ins Gespräch gekommen. Die Begleitung durch ihre Enkelin lenkte wiederholt die Aufmerksamkeit auch auf Fragen der Weitergabe und Bedeutungsunterschiede der Geschichte zwischen den verschiedenen Generationen.
Wir danken der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ sowie der Harold-Bob-Stiftung für die Unterstützung dieses Projekts.
ConAct-Jahrestagung 2003: Begegnen – aber wie Erinnern?
Umgehen mit der Gegenwärtigkeit von Vergangenheit im deutsch-israelischen Jugendaustausch
(22. – 25. Oktober 2003)
Im Zentrum der diesjährigen Jahrestagung stand die für den deutsch-israelischen Jugendaustausch zentrale Frage nach neuen Zugängen und sich verändernden Bedeutungsstrukturen der Geschichte der Shoah für die jüngeren Generationen in Deutschland und Israel. In Kooperation mit dem Institut Neue Impulse waren 100 deutsche und israelische Verantwortliche aus dem Feld der Jugendbegegnung wie auch VertreterInnen von Einrichtungen der Erinnerungsarbeit in Deutschland und Israel in die Internationale Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück eingeladen, um aktuelle Fragestellungen und neue Konzepte zur gemeinsamen Bearbeitung der Geschichte zu diskutieren. Nachhaltig wirkte die breite und kontroverse Diskussion um die Gestaltung einer gemeinsamen Gedenkzeremonie während der Tagung, die stellvertretend viele Fragen aufwarf, die sich auch bei jeder deutsch-israelischen Begegnung so oder ähnlich stellen. Geplant ist, die theoretischen Beiträge der Tagung sowie die praktischen Angebote der Gedenkstätten für deutsch-israelische Gruppen in einer Dokumentation zusammenzutragen.
ConAct-Buchtipp
Kurzgeschichten und Erzählungen von Etgar Keret

Was ist, wenn sich deine schöne Freundin nachts immer in einen dicklichen, steakfressenden, fußballglotzenden Zwerg verwandelt? Oder wenn dein ziemlich bösartiger Hund, der offenbar auf der ganzen Welt nur Dich liebt, von deinem Vater mehrere Male ausgesetzt wird und jedes Mal wieder wie eine Eins vor der Tür steht – sogar nachdem er einen Kopfschuss bekommen hat?
Solche und andere Fragen beantwortet der israelische Schriftsteller Etgar Keret in kurzen bis kürzesten Geschichten, und er tut das auf so anarchische, absurde, herrlich plastische, doppelbödige und rabenschwarze Weise, dass es einem den Atem nimmt. Plötzlich scheint alles möglich. Und plötzlich begreift man ganz unmittelbar, was Etgar Keret meint, wenn er zu den Journalisten, die ihn ständig zur politischen Lage seiner Nation befragen, sagt, die besten Waffen, sich gegen etwas zu wehren, was hoffnungslos scheint, seien Humor und Witz.


Etgar Keret wurde als Kind polnischer Holocaust-Überlebender 1967 in Tel Aviv geboren. Seit 1991 veröffentlicht er Kurzgeschichten und Comics. Er schreibt für das Fernsehen und lehrt an der Filmakademie in Tel Aviv. Seine Bücher sind in Israel Bestseller. Auf Deutsch erschienen sind:

- Gaza Blues. Erzählungen (1996), Luchterhand, München.
- Der Busfahrer, der Gott sein wollte. Erzählungen (2001), Luchterhand, München.
- Mond im Sonderangebot. 33 Short Stories (2003), Luchterhand, München.





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